Die ESPR-Verordnung verändert, wie Unternehmen Produktdaten im EU-Markt dokumentieren und nachweisen. In diesem Leitfaden erfahren Sie, welche Informationen für den Digitalen Produktpass vorbereitet werden sollten, wo Datenlücken entstehen und warum verstreute Dateien schnell zum Problem werden.
Die ESPR-Verordnung ist nicht nur eine neue Pflicht. Sie zeigt auch, dass Produktdaten strukturiert, aktuell und nachvollziehbar sein müssen.
Warum führt die EU den Digitalen Produktpass ein?
Die EU möchte Produkte transparenter machen: Woraus bestehen sie? Können sie repariert werden? Wie lange halten sie? Was passiert nach der Nutzung?
Der Digitale Produktpass sammelt diese Informationen in digitaler Form. Statt allgemeiner Produktbeschreibungen erhalten Kunden, Geschäftspartner und Behörden Zugriff auf konkrete Produktdaten.
Dafür gibt es einen klaren Grund. Laut Europäischer Kommission werden bis zu 80 % der Umweltauswirkungen eines Produkts bereits in der Designphase festgelegt. Wenn ein Produkt nicht auf Langlebigkeit, Reparatur und Wiederverwertung ausgelegt ist, reicht Recycling allein später nicht aus.
Eine weitere Zahl zeigt die Größenordnung. Im Jahr 2023 stammten nur 11,8 % der in der EU verwendeten Materialien aus recycelten Quellen und wurden erneut in den Wirtschaftskreislauf eingebracht. Die ESPR-Verordnung soll Produktdaten leichter vergleichbar und überprüfbar machen.
Fest steht: Produktdaten werden Teil von Compliance, Kundenservice und B2B-Kommunikation.

Was ist die ESPR-Verordnung?
Die ESPR-Verordnung, kurz für Ecodesign for Sustainable Products Regulation, ist die EU-Verordnung 2024/1781. Sie ersetzt frühere Ökodesign-Regeln, die sich hauptsächlich auf energieverbrauchsrelevante Produkte bezogen, und erweitert die Anforderungen auf deutlich mehr physische Produkte.
Das Ziel ist klar. Produkte im EU-Markt sollen länger nutzbar, einfacher reparierbar, wiederverwendbar und recycelbar sein.
Die ESPR-Verordnung kann Anforderungen zu folgenden Themen enthalten:
- Haltbarkeit von Produkten,
- Reparatur und Ersatzteile,
- Demontage,
- bedenkliche Stoffe,
- Energie- und Ressourcenverbrauch,
- Recyclinganteil,
- Umweltfußabdruck,
- Informationen für Kunden und Behörden.
Der Digitale Produktpass ist eines der Werkzeuge zur Bereitstellung dieser Informationen. Ein QR-Code oder Link dient nur als Zugangspunkt. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen zuverlässige und aktuelle Produktdaten bereitstellen kann.
Welche Produkte umfasst die ESPR-Verordnung?
Die ESPR-Verordnung gilt für viele physische Produkte, die im EU-Markt verkauft werden. Dazu gehören auch Komponenten und Zwischenprodukte.
Ausgenommen sind unter anderem Lebensmittel, Futtermittel, Arzneimittel, lebende Pflanzen und Tiere sowie bestimmte Fahrzeuge mit eigenen Regelungen.
Der erste ESPR-Arbeitsplan für 2025–2030 nennt Produktgruppen, die von der Europäischen Kommission als besonders relevant eingestuft werden. Die erste Phase konzentriert sich auf Produkte mit hoher Umwelt- und Materialwirkung.
| Produktgruppe | Was Unternehmen zuerst prüfen sollten |
|---|---|
| Textilien, besonders Bekleidung | Materialzusammensetzung, Haltbarkeit, Recycling |
| Möbel | Materialien, Ersatzteile, Demontage, Reparatur |
| Reifen | Haltbarkeit, Abrieb, Leistung |
| Matratzen | Zusammensetzung, Stoffe, Recyclingfähigkeit |
| Stahl und Aluminium | Materialherkunft, Recyclinganteil |
| Energieverbrauchsrelevante Produkte | Effizienz, Reparatur, Dokumentation |
Wenn Sie Produkte aus diesen Bereichen verkaufen, sollten Sie frühzeitig prüfen, ob die notwendigen Daten bereits verfügbar sind.
Welche Daten werden für den Digitalen Produktpass benötigt?
Welche Daten erforderlich sind, hängt von der jeweiligen Produktgruppe und zukünftigen delegierten Rechtsakten ab. Es wird keine allgemeingültige Checkliste für alle Branchen geben.
Unternehmen sollten trotzdem bereits diese Bereiche prüfen:
- Produktidentifikation: Modell, Serie, Variante, Chargennummer,
- Materialien: Zusammensetzung, Komponenten, Recyclinganteil,
- Compliance: Zertifikate, Erklärungen, Testergebnisse,
- Reparatur: Anleitungen, Ersatzteile, Demontagemöglichkeiten,
- Ende des Produktlebenszyklus: Recycling, Rückgewinnung, Entsorgung,
- Lieferanten: Materialherkunft, Dokumente, Nachweise.
Die neuen Anforderungen beziehen sich nicht nur auf Erklärungen. Benötigt werden belastbare Produktdaten.
Bei Möbelherstellern betrifft das zum Beispiel Holz, Platten, Metallteile, Klebstoffe, Beschichtungen, Ersatzteile und Demontageanleitungen.
Für Modemarken sind unter anderem Stoffzusammensetzung, Accessoires, Farbstoffe, Herkunftsland, Haltbarkeit, Pflegehinweise und Recyclingfähigkeit relevant.
Das größte Problem ist meist nicht der komplette Mangel an Daten. Häufig liegen Informationen verteilt in ERP-Systemen, PIM-Plattformen, technischen Datenblättern, Lieferantenerklärungen, PDFs, Produktbeschreibungen und E-Mails.
Der Digitale Produktpass braucht eine einheitliche Datenquelle.
Warum Unternehmen nicht warten sollten
Die ESPR-Verordnung wird schrittweise eingeführt. Konkrete Anforderungen für einzelne Produktgruppen folgen später. Wer zu lange wartet, erhöht oft den eigenen Aufwand.
Ein sinnvoller Startpunkt ist die Prüfung von sechs Bereichen:
- Wo werden Produktdaten gespeichert?
- Wer ist dafür verantwortlich?
- Sind die Daten aktuell?
- Können Lieferanten die Daten bereitstellen?
- Lassen sich Daten Produkten, Chargen oder Varianten zuordnen?
- Erhalten Kunden und Behörden überall dieselben Informationen?
Wenn Onlineshop, technisches Datenblatt und Lieferantenerklärung unterschiedliche Angaben enthalten, wird der Produktpass das Problem sichtbar machen.
Unternehmen mit gut organisierten Produktdaten profitieren nicht nur bei Compliance-Themen. Sie beantworten B2B-Anfragen schneller, vereinfachen Audits und reduzieren manuelle Arbeit zwischen Teams.
Vorbereitung auf die ESPR-Verordnung
Starten Sie mit einer kurzen Prüfung Ihrer Produktdaten. Je früher Daten überprüft werden, desto einfacher wird die Vorbereitung auf die ESPR-Verordnung und den Digitalen Produktpass.
1. Produkte mit hohem Risiko auswählen
Beginnen Sie mit Produkten, die in der EU verkauft werden, besonders mit den Produktgruppen aus dem ESPR-Arbeitsplan.
2. Vorhandene Datenquellen prüfen
Kontrollieren Sie ERP-Systeme, PIM-Plattformen, technische Datenblätter, Zertifikate, Qualitätsdokumente, Produktbeschreibungen und Lieferantendaten.
3. Fehlende Informationen erkennen
Besonders häufig fehlen Angaben zu Materialherkunft, Stoffen, Ersatzteilen, Demontage und Recycling.
4. Verantwortlichkeiten festlegen
Für jedes Datenfeld sollte eine verantwortliche Person oder Abteilung definiert werden. Ohne klare Zuständigkeit veralten Daten schnell.
5. Standards mit Lieferanten abstimmen
Für den Anfang reicht ein gemeinsamer Mindeststandard: Komponentenname, Material, Dokument, Datum, Quelle und Status.
6. Daten mit Produkten verknüpfen
Der Digitale Produktpass muss sich auf ein konkretes Produkt, Modell, eine Charge oder Variante beziehen.
Wenn Produktdaten über ERP-Systeme, PIM-Plattformen, Tabellen, technische Dokumente und Lieferanten-E-Mails verteilt sind, sollte die Strukturierung dieser Informationen der erste Schritt sein.
Wir unterstützen Unternehmen dabei, Produktdaten in einem Prozess zusammenzuführen und manuelle Datenerfassung zu reduzieren.
Bereiten Sie Ihr Unternehmen auf die ESPR-Verordnung mit dem Digitalen Produktpass vor.
Welche Vorteile gibt es neben Compliance?
Die ESPR-Verordnung betrifft nicht nur regulatorische Anforderungen. Gute Produktdaten unterstützen auch Vertrieb und Kundenkommunikation.
Kunden fragen häufiger nach Zusammensetzung, Zertifikaten, Herkunft, Stoffen, Reparaturmöglichkeiten und Recycling. Klare und schnelle Antworten schaffen Vertrauen.
Der Digitale Produktpass kann außerdem helfen, Produktqualität nachvollziehbar darzustellen. Statt allgemeiner Aussagen lassen sich konkrete Informationen zu Materialien, Dokumenten, Ersatzteilen, Reparaturmöglichkeiten und Recycling bereitstellen.
ESPR-Verordnung: Was sollten Unternehmen beachten?
Die ESPR-Verordnung bewegt den Markt in Richtung transparenter und nachvollziehbarer Produktdaten.
Niemand muss auf jede einzelne Branchenregel warten, um anzufangen. Wählen Sie eine Produktgruppe, prüfen Sie vorhandene Daten, erkennen Sie Lücken und legen Sie Verantwortlichkeiten fest. Genau so beginnt die Vorbereitung auf den Digitalen Produktpass.

FAQ
Ist der Digitale Produktpass bereits verpflichtend?
Noch nicht für alle Produkte gleichzeitig. Die ESPR-Verordnung schafft den Rahmen, während die Pflichten schrittweise für einzelne Produktgruppen eingeführt werden.
Gilt die ESPR-Verordnung für alle Produkte?
Sie gilt für viele physische Produkte im EU-Markt, einschließlich Komponenten und Zwischenprodukten. Einige Kategorien sind ausgenommen.
Ist der Digitale Produktpass nur ein QR-Code?
Nein. QR-Code oder Link dienen nur als Zugang. Entscheidend sind Qualität, Herkunft und Aktualität der Daten.
Was sollten Unternehmen zuerst tun?
Zuerst sollte geprüft werden, welche Produkte unter die ESPR-Verordnung fallen könnten. Danach sollten vorhandene Produktdaten erfasst und Lücken identifiziert werden.
Sollten Unternehmen auf branchenspezifische Anforderungen warten?
Nein. Auch ohne endgültige Vorgaben kann die Strukturierung von Produktdaten bereits vorbereitet werden.
Bereiten wir Ihren Betrieb auf die ESPR-Verordnung vor.
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