Wenn du in einem Produktionsunternehmen für Produktmanagement, Qualität, Compliance, ESG oder Produktdaten verantwortlich bist, sollte dich der digitale Produktpass jetzt interessieren. In bestimmten Bereichen und Branchen wird er zu einer gesetzlichen Vorgabe der EU.
Für Kundinnen und Kunden wird er meist als QR-Code auf dem Produkt oder der Verpackung sichtbar sein. Für dein Unternehmen bedeutet er strukturierte Daten zu Zusammensetzung, Herkunft, Haltbarkeit, Reparatur, Recycling und Umweltauswirkungen des Produkts.
Ja, das ist eine weitere Pflicht. Ein gut vorbereiteter DPP kann aber auch bei Gesprächen mit Handelsketten, Audits, Exporten, Reklamationen und der Datenerfassung bei Lieferanten helfen.
Was ist ein digitaler Produktpass?
Ein digitaler Produktpass ist ein digitaler Informationssatz, der einem Produkt, Modell, Los oder einzelnen Exemplar zugeordnet ist. Der Zugriff kann über einen QR-Code, NFC, Barcode oder einen anderen Datenträger erfolgen.
Die Europäische Kommission beschreibt den DPP als digitale Identitätskarte eines Produkts. Sie speichert Daten zu Umweltauswirkungen, Recyclingfähigkeit und Nachhaltigkeitsparametern über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Der DPP ist Teil der ESPR, also der EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte, die am 18. Juli 2024 in Kraft getreten ist.
Ein DPP kann unter anderem folgende Informationen enthalten:
- Materialzusammensetzung,
- Herkunft von Rohstoffen und Komponenten,
- Anteil recycelter Materialien,
- CO₂-Fußabdruck oder Umweltfußabdruck,
- Vorhandensein besorgniserregender Stoffe,
- Anleitungen für Reparatur, Demontage und Wartung,
- Informationen zu Ersatzteilen,
- Zertifikate und Konformitätserklärungen,
- Hinweise zu Recycling oder Entsorgung.
Kurz gesagt: Ein digitaler Produktpass zeigt, woraus ein Produkt besteht, wie es hergestellt wurde, wie lange es genutzt werden kann und was am Ende seines Lebenszyklus damit passieren sollte.

Was bedeutet DPP für ein Unternehmen?
DPP steht für Digital Product Passport, auf Deutsch: digitaler Produktpass.
Es geht um mehr als das Hinzufügen eines QR-Codes. Ein DPP setzt voraus, dass Produktdaten vollständig, aktuell, überprüfbar und dem richtigen Produkt zugeordnet sind.
Das ist wichtig, weil Produktionsdaten noch immer häufig über verschiedene Quellen verteilt sind, zum Beispiel:
- Excel,
- technische Datenblätter,
- ERP,
- PIM,
- Lieferantendokumente,
- Ordner der Qualitätsabteilung,
- ESG- oder Compliance-Dateien.
Nicht alle Daten werden öffentlich sein. Einige Informationen sieht der Kunde, andere ein Geschäftspartner, manche der Service und wieder andere die Marktaufsichtsbehörde. Die Europäische Kommission weist darauf hin, dass Daten je nach Zugriffsrechten unterschiedlichen Gruppen bereitgestellt werden sollen.
Deshalb muss die Einführung des DPP mit der Ordnung der Daten beginnen.
Warum werden digitale Produktpässe verpflichtend?
Die Europäische Union möchte den Verkauf von Produkten begrenzen, die kurzlebig, schwer zu reparieren, schlecht beschrieben und schwierig zu recyceln sind.
Die neuen Vorschriften sollen langlebigere Produkte, einfachere Reparaturen, bessere Rückgewinnung von Materialien und mehr Transparenz für Kundinnen und Kunden fördern. Der ESPR-Arbeitsplan für 2025-2030 umfasst unter anderem Stahl, Aluminium, Textilien, Möbel, Reifen, Matratzen sowie energieverbrauchsrelevante Produkte.
Die Zahlen zeigen, woher der Druck zur Veränderung kommt. In der EU werden jedes Jahr rund 5,8 Millionen Tonnen Textilien weggeworfen, also etwa 11,3 kg pro Person. Nur 1% des weltweit für Kleidung verwendeten Materials wird wieder zu neuer Kleidung verarbeitet.
Ähnlich sieht es bei Batterien aus. Die neuen Vorschriften betreffen den gesamten Lebenszyklus von Batterien: von der Rohstoffgewinnung über Sammlung und Recycling bis zur Wiederverwendung. Die Europäische Kommission weist darauf hin, dass die Regeln die Umweltauswirkungen von Batterien senken und einen wettbewerbsfähigeren, nachhaltigeren Batteriemarkt in Europa unterstützen sollen.
Der DPP soll in drei Bereichen helfen:
- Der Kunde weiß, was er kauft. Er kann Zusammensetzung, Haltbarkeit, Reparaturmöglichkeiten und Recyclinghinweise prüfen.
- Das Unternehmen kann Konformität nachweisen. Aussagen allein reichen nicht aus. Es braucht Daten und Dokumente.
- Der Markt kann Materialien leichter zurückgewinnen. Serviceanbieter, Recycler oder Retourenbetreiber sehen, mit welchem Produkt sie arbeiten.
Noch unsicher, was ein digitaler Produktpass ist? Lass uns sprechen.
Wenn du noch Fragen zu DPP und seiner Einführung hast, vereinbare eine kurze Beratung mit uns. Wir beantworten deine Fragen und helfen dir, die Einführung so zu planen, dass deine tägliche Arbeit nicht durcheinandergerät.
Ab wann wird der digitale Produktpass verpflichtend?
Wenn wir eine einfache Antwort geben müssten, würde sie lauten: Es hängt von der Produktgruppe ab.
Die ESPR gilt seit dem 18. Juli 2024, doch konkrete Anforderungen werden schrittweise eingeführt. Die Europäische Kommission hat den ESPR- und Energiekennzeichnungs-Arbeitsplan für 2025-2030 angenommen. Zur ersten Gruppe gehören unter anderem Stahl, Aluminium, Textilien mit Schwerpunkt Bekleidung, Möbel, Reifen und Matratzen.
| Produkt oder Bereich | Was bekannt ist |
|---|---|
| Batterien für leichte Verkehrsmittel, Industriebatterien über 2 kWh und EV-Batterien | Batteriepass ab 18. Februar 2027 |
| Eisen und Stahl | eine der ersten Kategorien im ESPR-Plan |
| Textilien, besonders Bekleidung | eine der ersten Kategorien |
| Aluminium | im ESPR-Arbeitsplan enthalten |
| Reifen | im ESPR-Arbeitsplan enthalten |
| Möbel | im ESPR-Arbeitsplan enthalten |
| Matratzen | im ESPR-Arbeitsplan enthalten |
Der derzeit konkreteste Termin betrifft Batterien. Gemäß Artikel 77 der Batterieverordnung gilt der Batteriepass ab dem 18. Februar 2027 für Batterien für leichte Verkehrsmittel, Industriebatterien mit einer Kapazität von mehr als 2 kWh sowie Batterien für Elektrofahrzeuge.
Für andere Kategorien müssen Unternehmen die Durchführungsrechtsakte und delegierten Rechtsakte für den jeweiligen Produkttyp verfolgen. Wenn dein Unternehmen mit Textilien, Möbeln, Batterien, Stahl, Aluminium, Reifen, Elektronik oder energieverbrauchsrelevanten Produkten arbeitet, solltest du nicht bis zum letzten Moment warten.
Wen betrifft der digitale Produktpass?
Der DPP betrifft nicht nur große Hersteller aus der EU. Die Pflichten können alle Unternehmen betreffen, die erfasste Produkte auf den EU-Markt bringen.
Dazu gehören häufig:
- Hersteller,
- Importeure,
- Eigenmarken,
- Händler,
- Onlinehändler,
- Marktplätze,
- Komponentenlieferanten,
- Serviceunternehmen,
- Recyclingunternehmen.
Wenn du ein Produkt auf dem EU-Markt verkaufst und diese Produktkategorie dem digitalen Produktpass unterliegt, brauchst du die Daten. Auch dann, wenn ein Teil der Produktion außerhalb Europas stattfindet.
Welche Daten kommen in den digitalen Produktpass?
Der Datenumfang wird je nach Produktgruppe unterschiedlich sein, etwa bei Batterien, Bekleidung, Möbeln, Reifen oder Elektronik. Deshalb lohnt es sich, mit einer ähnlichen Informationskarte zu starten.
| Datenbereich | Beispiel |
|---|---|
| Produktidentifikation | Modell, Variante, Los, Hersteller, GTIN |
| Zusammensetzung | Materialien, Komponenten, Stoffe |
| Herkunft | Produktionsland, Lieferanten, Rohstoffquelle |
| Umwelt | CO₂-Fußabdruck, Recyclinganteil, Energieverbrauch |
| Reparatur | Anleitungen, Ersatzteile, Demontage |
| Lebensende | Recycling, Sortierung, Entsorgung |
| Konformität | Zertifikate, Prüfungen, Erklärungen |
Bei Batterien ist der Datenkatalog bereits umfangreich. Er umfasst unter anderem Hersteller, Konformität, CO₂-Fußabdruck, Materialzusammensetzung, Ressourceneffizienz, Haltbarkeit, Leistung und Daten, die für das Recycling benötigt werden.
Beispiele für DPP in realen Produkten
Hoodie oder T-Shirt
Der Kunde scannt einen QR-Code und sieht Zusammensetzung, Produktionsland, Pflegehinweise, Materialzertifikat und Informationen dazu, wo das Produkt nach der Nutzung abgegeben werden kann.
Aus Sicht des Unternehmens gehören dazu der Stofflieferant, die Materialcharge, Dokumente zur Bestätigung der Zusammensetzung und die Änderungshistorie.
Sofa
Ein DPP kann Holzart, Metall, Schaumstoff und Stoff, Demontageanleitung, Liste der Ersatzteile sowie Informationen für Service und Recycler zeigen.
Für den Kunden bedeutet das mehr Sicherheit beim Kauf. Für den Hersteller bedeutet es weniger manuelle Antworten auf Fragen von Geschäftspartnern.
Batterie für ein E-Bike
Ab 2027 wird der Batteriepass eines der ersten konkreten Beispiele für einen Produktpass sein. Er kann CO₂-Fußabdruck, Materialzusammensetzung, Kapazität, Haltbarkeit, Herstellerdaten und Informationen für weitere Nutzung oder Recycling enthalten.
Was verändert DPP im Arbeitsalltag?
Die größte Veränderung wird nicht auf dem Etikett sichtbar sein. Sie wird in deinem Unternehmen sichtbar.
Der digitale Produktpass erfordert Zusammenarbeit zwischen Abteilungen, die oft getrennt arbeiten:
- Produkt weiß, was auf den Markt kommt,
- Qualität hat Dokumente und Prüfungen,
- Einkauf sammelt Daten von Lieferanten,
- ESG berechnet Umweltauswirkungen,
- IT verbindet Systeme,
- Vertrieb beantwortet Fragen von Partnern,
- Marketing beschreibt das Produkt für Kunden.
Wenn diese Daten nicht an einem Ort zusammenlaufen, wird die Erstellung des Produktpasses teuer und langsam.
Für Geschäftsführung oder Eigentümer entsteht ein sehr konkretes Risiko: verzögerte Markteinführung, schwierigere Gespräche mit großen Abnehmern, mehr manuelle Arbeit und mehr Stress bei Kontrollen. Das Problem beginnt selten beim QR-Code selbst. Es beginnt meist früher, wenn nachgewiesen werden muss, woher die Daten stammen und ob sie aktuell sind.
Deshalb sollte die Vorbereitung auf den Produktpass mit zentralem Produktdatenmanagement beginnen: Informationen aus vielen Quellen sammeln, Dokumente ordnen und festlegen, welche Datenversion aktuell ist. Das ist ein guter Moment, um zu prüfen, ob die vorhandenen Tools die Arbeit mit Daten unterstützen oder eher zusätzliche manuelle Arbeit verursachen.
Wie bereitest du dein Unternehmen auf DPP vor?
1. Prüfe Produkte aus den ersten Gruppen
Gehe dein Portfolio durch und markiere Produkte, die zuerst unter den digitalen Produktpass fallen könnten: Textilien, Möbel, Matratzen, Reifen, Stahl, Aluminium, Batterien und Elektronik.
2. Erstelle eine Datenkarte
Prüfe, welche Informationen du bereits hast und wo sie gespeichert sind. Berücksichtige technische Datenblätter, Zertifikate, Lieferantenerklärungen, Materialdaten, Reparaturanleitungen und Qualitätsdokumente.
3. Finde Lücken
Die häufigsten Lücken sind fehlende Daten zur Materialherkunft, fehlende Bestätigungen von Lieferanten, fehlende Änderungshistorie und keine einzige aktuelle Version der Produktinformation.
4. Weise Datenverantwortliche zu
Jede Datenart sollte eine verantwortliche Person haben. Sonst wird der Produktpass schnell zu einer Aufgabe, die alle kennen, aber niemand führt.
5. Starte einen Piloten
Wähle ein Produkt aus und erstelle einen Testpass. Du siehst, wie viele Daten du wirklich hast, was noch gesammelt werden muss und wo der Prozess stoppt.
6. Sprich mit Lieferanten
Der DPP betrifft die gesamte Wertschöpfungskette. Auch Lieferanten von Stoff, Schaumstoff, Metall, Zellen oder Verpackungen müssen Daten in einer klaren Form bereitstellen.

Häufige Fehler bei der Einführung des digitalen Produktpasses
Auf die endgültigen Regeln warten
Details werden schrittweise erscheinen, aber du kannst Produktdaten schon jetzt ordnen.
DPP als reines IT-Projekt behandeln
Technologie hilft, aber zuerst musst du wissen, welche Daten gebraucht werden und wer dafür verantwortlich ist.
Nur auf den QR-Code schauen
Der QR-Code ist der Einstieg in die Information. Die eigentliche Arbeit passiert in Daten, Dokumenten und Prozessen.
Keine Versionskontrolle
Produkt, Lieferant und Zusammensetzung können sich ändern. Du musst wissen, welche Datenversion für welche Charge gilt.
Was jetzt? Ein Plan für 30, 60 und 90 Tage
Erste 30 Tage
Wähle die Person aus, die für DPP verantwortlich ist. Prüfe, welche Produkte voraussichtlich zuerst unter die Anforderungen fallen. Erstelle eine einfache Tabelle: Produkt, Kategorie, vorhandene Daten, Lücken, Verantwortlicher.
Bis Tag 60
Starte einen Piloten für ein Produkt. Sammle Materialdaten, Zertifikate, Qualitätsdokumente, Anleitungen und Lieferanteninformationen.
Bis Tag 90
Lege den Prozess für Datenaktualisierungen fest. Entscheide, wo die zentrale Quelle für Produktinformationen sein wird. Erstelle eine Vorlage für Lieferantenanforderungen und prüfe, welche Systeme verbunden werden müssen.
Wenn du dein Unternehmen auf DPP vorbereiten möchtest, ohne Daten manuell aus vielen Dateien zusammenzutragen, beginne mit der Ordnung deiner Produktinformationen an einem Ort. Genau dort beginnt der digitale Produktpass.
FAQ: Was ist ein digitaler Produktpass?
Was ist ein digitaler Produktpass?
Ein digitaler Produktpass ist ein digitaler Datensatz zu einem Produkt, meist zugänglich über einen QR-Code oder einen anderen Datenträger. Er enthält Informationen zu Zusammensetzung, Herkunft, Haltbarkeit, Reparatur, Recycling und Konformität.
DPP: Was ist das?
DPP steht für Digital Product Passport. Auf Deutsch bedeutet das digitaler Produktpass.
Ab wann wird der digitale Produktpass verpflichtend?
Die ESPR ist am 18. Juli 2024 in Kraft getreten, aber konkrete Fristen hängen von der Produktkategorie ab. Für bestimmte Batterien wird der Pass ab dem 18. Februar 2027 verpflichtend.
Gilt DPP auch für Unternehmen außerhalb der EU?
Ja, wenn das Produkt auf den Markt der Europäischen Union gebracht wird.
Werden alle DPP-Daten öffentlich sein?
Nein. Einige Daten sieht der Kunde, andere Partner, einige der Service und andere nur die Marktaufsichtsbehörden.
Wie solltest du mit der Vorbereitung beginnen?
Am besten mit einer Karte deiner Produktdaten. Prüfe, was du hast, was fehlt, wer für die Daten verantwortlich ist und wie du Informationen von Lieferanten sammelst. Danach erstellst du einen Piloten für ein Produkt.