Sie haben einen Plan. Sie wissen, wie viele Stück produziert werden müssen und bis wann. Und trotzdem entsteht auf dem Shopfloor Chaos: Eine Maschine wartet auf Material, Mitarbeitende ändern die Reihenfolge „weil es schneller geht“, und ein Eilauftrag bringt die gesamte Woche durcheinander.
Genau hier beginnt die Produktionsplanung und -steuerung.
In diesem Artikel erfahren Sie:
- was Produktionsplanung und -steuerung genau bedeutet und wie sie sich von der reinen Produktionsplanung unterscheidet,
- welche Daten Sie für einen realistischen Produktionsplan benötigen,
- wie Sie Schritt für Schritt einen umsetzbaren Produktionsplan erstellen,
- wann Excel ausreicht – und wann ein APS-System erforderlich ist,
- welche typischen Fehler selbst gut vorbereitete Produktionspläne scheitern lassen.
Was ist Produktionsplanung und -steuerung – und wie unterscheidet sie sich von der Planung?
Kurz gesagt:
Produktionsplanung und -steuerung ist die operative Zuordnung konkreter Fertigungsaufträge zu konkreten Ressourcen in einer definierten Reihenfolge und zu bestimmten Zeitpunkten – unter Berücksichtigung realer Kapazitätsgrenzen.
Wenn Sie sich fragen, was Produktionsplanung und -steuerung praktisch bedeutet: Es ist die detaillierte, ausführbare Abbildung der Arbeit in Ihrer Produktion – auf Stunden-, Schicht- und Maschinenebene.
Produktionsplanung vs. Produktionsplanung und -steuerung
In der Praxis handelt es sich um zwei unterschiedliche Managementebenen.
Produktionsplanung (taktische Ebene)
Die Produktionsplanung basiert auf:
- Hauptproduktionsprogramm (MPS),
- Prognosen und Kundenaufträgen,
- aggregierten Kapazitäten,
- geschätzten Durchlaufzeiten.
Sie beantwortet die Fragen:
- Was produzieren wir?
- Wie viel produzieren wir?
- In welchem Zeitraum?
Sie geht jedoch nicht auf einzelne Maschinen oder Mitarbeitende ein.
Produktionsplanung und -steuerung (operative Ebene)
Die Produktionsplanung und -steuerung beantwortet:
- Welche Maschine?
- In welcher Reihenfolge?
- Zu welcher Uhrzeit?
- Mit welcher Rüstzeit?
Sie berücksichtigt:
- konkrete Maschinen und Personal,
- reale Kapazitätsgrenzen,
- Engpässe,
- Losgrößen,
- Auswirkungen auf Liefertermintreue (OTD/OTIF).
Ein Plan sagt vielleicht:
Produzieren Sie 1.000 Stück in dieser Woche.
Die Produktionsplanung und -steuerung sagt:
Montag 6:00–12:00 – Linie 2 – Los A.
12:00–13:00 – Rüstvorgang.
13:00–18:00 – Los B.
Planung definiert die Richtung.
Produktionsplanung und -steuerung stellt die Umsetzung sicher.
Produktionsplanung vs. Produktionsplanung und -steuerung – Kurzvergleich
| Bereich | Produktionsplanung | Produktionsplanung und -steuerung |
|---|---|---|
| Planungshorizont | Wochen / Monate | Tage / Stunden |
| Eingabedaten | MPS, Prognosen | Aufträge, Bearbeitungszeiten |
| Kapazitäten | Aggregiert | Konkrete Maschinen und Mitarbeitende |
| Restriktionen | Vereinfacht | Reale Kapazitätsgrenzen |
| Ergebnis | Mengenplan | Umsetzbarer Produktionsplan |
So organisieren Sie eine effektive Produktionsplanung und -steuerung in Ihrem Werk
Produktionsplanung und -steuerung ist theoretisch leicht zu verstehen – in der Praxis entscheidet sie jedoch über Stabilität oder Dauerstress in Ihrer Fertigung. Kontaktieren Sie uns und lassen Sie uns darüber sprechen, wie Sie eine leistungsfähige Produktionsplanung und -steuerung in Ihrem Unternehmen implementieren.
Welche Daten benötigen Sie für eine effektive Produktionsplanung und -steuerung?
Eine stabile Produktionsplanung und -steuerung basiert auf belastbaren Daten.
1. Stammdaten (Grundlage)
Sie benötigen:
- vollständige Fertigungsaufträge,
- eine aktuelle Stückliste (BOM),
- reale Bearbeitungszeiten,
- Rüstzeiten,
- korrekte Arbeitspläne und Ressourcenzuordnungen,
- aktuelle Ressourcenkalender.
Sind die Zeiten nur geschätzt, wird auch Ihre Produktionsplanung und -steuerung ungenau sein.
2. Aktuelle Verfügbarkeit
Selbst perfekte Stammdaten reichen nicht aus, wenn Sie nicht wissen:
- wie die Materialverfügbarkeit aussieht,
- welche geplanten Stillstände anstehen,
- welche Aufträge bereits in Bearbeitung sind,
- wo Verzögerungen auftreten.
Hier spielen MES-Systeme eine entscheidende Rolle. Sie liefern Echtzeitdaten und ermöglichen eine realitätsnahe Produktionsplanung und -steuerung.
3. Klare Priorisierungsregeln
Sie müssen definieren:
- Auftragsprioritäten,
- Kundentermin vs. Rüstoptimierung,
- Marge vs. Lieferdatum,
- Dispositionsregeln (FIFO, EDD usw.),
- Zeitpuffer.
Ohne klare Regeln wird jede Person in der Disposition anders entscheiden – und Ihre Produktionsplanung und -steuerung verliert an Konsistenz.

Produktionsplanung und -steuerung Schritt für Schritt aufbauen
Schritt 1 – Eingangsdaten definieren
Beispiel:
- 3 Fertigungsaufträge,
- 2 Arbeitsplätze,
- definierte Bearbeitungszeiten,
- Abhängigkeiten,
- eine Produktionsschicht.
Eine strukturierte Datengrundlage ist die Basis jeder Produktionsplanung und -steuerung.
Schritt 2 – Kritische Ressource identifizieren
Analysieren Sie:
- längste Bearbeitungszeiten,
- höchste Auslastung,
- geringste Alternativen.
Das ist Ihr Engpass. Um ihn herum wird der Produktionsplan aufgebaut.
Schritt 3 – Reihenfolge festlegen
Berücksichtigen Sie:
- Liefertermine,
- Rüstzeiten,
- Materialverfügbarkeit,
- Zeitfenster.
So entsteht der erste operative Produktionsplan.
Kontrollfragen:
- Ist der Plan mit den vorhandenen Kapazitäten realisierbar?
- Wo entstehen Ressourcenkonflikte?
- Welche Auswirkungen haben Prioritätsänderungen?
Schritt 4 – Neuplanung (Rescheduling)
Bei:
- Maschinenausfall,
- verlängerten Bearbeitungszeiten,
- neuen Eilaufträgen,
muss der Produktionsplan neu berechnet werden.
Wenn Sie dies mehrmals täglich manuell tun, ist Ihre Produktionsplanung und -steuerung zu komplex für Excel.
Software für Produktionsplanung und -steuerung: Excel, ERP oder APS?
Excel
Geeignet bei:
- wenigen Maschinen,
- geringen Rüstabhängigkeiten,
- niedriger Variabilität.
Bei steigender Komplexität stößt Excel schnell an Grenzen.
ERP-Systeme
ERP verbindet Vertrieb, Lager und Planung. Die Kapazitätsbetrachtung bleibt jedoch häufig vereinfacht.
APS (Advanced Planning and Scheduling)
Ein APS-System unterstützt:
- reale Kapazitätsrestriktionen,
- finite Kapazitätsplanung,
- Szenariosimulationen,
- automatische Neuplanung,
- KPI-Analysen (OEE, OTD/OTIF).
Produktionsplanung und -steuerung wird damit datengetrieben und simulationsbasiert.
Entscheidungsübersicht: Excel vs. ERP vs. APS in der Produktionsplanung und -steuerung
| Kriterium | Excel | ERP | APS |
|---|---|---|---|
| Anzahl Ressourcen | Gering | Mittel | Hoch |
| Rüstoptimierung | Manuell | Eingeschränkt | Optimiert |
| Variabilität | Niedrig | Mittel | Hoch |
| Simulation | Nicht möglich | Begrenzt | Vollständig |
| Datenintegration | Manuell | Systemisch | Vollständig integriert |
| Automatische Neuplanung | Nein | Eingeschränkt | Ja |
Wann lohnt sich ein APS-System?
Ein APS-System ist sinnvoll, wenn:
- hohe Auftragsvariabilität besteht,
- viele Abhängigkeiten zwischen Operationen existieren,
- Lieferverzögerungen hohe Kosten verursachen,
- manuelle Neuplanung zu viel Zeit beansprucht,
- Simulationen für Entscheidungen notwendig sind.
Produktionsplanung und -steuerung als geschlossener Kreislauf
Ein Produktionsplan allein reicht nicht aus. Sie benötigen einen Regelkreis:
Planen → Ausführen → Anpassen
MES-Systeme erfassen:
- Auftragsstatus,
- Produktionsereignisse,
- Maschinenausfälle,
- Materialengpässe,
- Qualitätsdaten (SPC),
- Rückverfolgbarkeit.
So bleibt Ihre Produktionsplanung und -steuerung synchron mit der Realität.

Häufige Fehler in der Produktionsplanung und -steuerung
- Veraltete Bearbeitungszeiten → chronische Verzögerungen
- Ignorierte Rüstzeiten → unrealistische Auslastung
- Planung mit 100 % Kapazität → keine Flexibilität
- Zu lange Fixierung des Plans → geringe Anpassungsfähigkeit
- Manuelle Änderungen ohne Dokumentation → Informationschaos
- Keine KPI-Überwachung → fehlende Transparenz
Eine robuste Produktionsplanung und -steuerung berücksichtigt all diese Faktoren.
Effektive Produktionsplanung und -steuerung bedeutet Kontrolle statt Reaktion
Produktionsplanung und -steuerung ist der Moment, in dem Strategie zur operativen Umsetzung wird.
Mit:
- sauberen Daten,
- klaren Prioritäten,
- Berücksichtigung von Engpässen,
gewinnen Sie:
- höhere Termintreue,
- weniger Ad-hoc-Änderungen,
- bessere Kostenkontrolle,
- mehr Transparenz.
Ziel ist kein perfekter Plan.
Ziel ist eine realistische, steuerbare Produktionsplanung und -steuerung.

FAQ – Produktionsplanung und -steuerung
1. Was ist Produktionsplanung und -steuerung?
Produktionsplanung und -steuerung ist die operative Zuordnung von Fertigungsaufträgen zu Maschinen und Mitarbeitenden unter Berücksichtigung realer Kapazitäts- und Materialrestriktionen.
2. Was ist der Unterschied zwischen Produktionsplanung und Produktionsplanung und -steuerung?
Die Produktionsplanung definiert Mengen und Zeiträume.
Die Produktionsplanung und -steuerung legt fest, wo, wann und in welcher Reihenfolge produziert wird.
3. Wie erstellt man eine Planung und -steuerung?
Mit aktuellen Bearbeitungszeiten, Rüstzeiten, Ressourcenverfügbarkeit und klaren Prioritätsregeln. Der Plan muss regelmäßig aktualisiert werden.
4. Kann man Planung und -steuerung in Excel abbilden?
Ja, bei geringer Komplexität. Bei hoher Dynamik und vielen Abhängigkeiten ist Excel nicht ausreichend.
5. Wann sollte ein APS-System eingeführt werden?
Wenn hohe Variabilität, komplexe Abhängigkeiten und hohe Kosten bei Verzögerungen bestehen.
6. Welche Daten sind unverzichtbar?
Fertigungsaufträge, Stücklisten, Bearbeitungszeiten, Rüstzeiten und Ressourcenkalender.
7. Was sind die häufigsten Fehler?
Ignorierte Rüstzeiten, veraltete Zeiten und Planung ohne Puffer führen zu Instabilität.
Lassen Sie uns gemeinsam Ihre Produktionsplanung und -steuerung auf das nächste Niveau bringen.
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